Der Vintage-Trend

Beispielfoto (Quelle: www.pixabay.com)

Ein Essay von Chantal Krämer, 9e

Man hört immer wieder von einem neuen Trend: Vintage. Aber ist das wirklich ein Trend oder vielmehr harte Realität und eine allgemeine Notwendigkeit, die man umsetzen muss?

Wir bekommen immer mehr zu spüren, dass wir etwas ändern müssen. Einem wird wieder und wieder gesagt, dass es so nicht weitergehen könne und dass man jetzt handeln müsse, sonst werde der Klimawandel zu unserem größten Gegner. Der Vintage-Trend kommt also wie gerufen, auch wenn er nicht nur einen ökologischen Zweck hat. 

Der Vintage-Trend beschreibt eine neue spaßige Veränderung, die man meiner Meinung nach gerne bestreitet. Gleichzeitig muss diese Veränderung her, denn in Deutschland legt sich jeder mindestens 5 Kleidungsstücke pro Monat zu, wenn nicht sogar mehr. Jedoch kennt bestimmt ebenso jeder das Problem: Wir kaufen immer mehr und schmeißen auch immer mehr weg. Wir leben nun mal in einer Konsumgesellschaft, wo man immer alles haben will. Der Schrank ist zu voll und man muss aussortieren. Bei der Gelegnehit merkt man auch, etwas gefällt oder passt nicht mehr. Was passiert also dann mit der Kleidung? Man könnte sie verkaufen oder spenden. 

Mittlerweile gibt es schon seit Jahren beinahe überall Altkleidercontainer, wo man seine Kleidung abgeben kann, welche wieder um gespendet wird. Das Erschreckende an dieser eigentlich guten Lösung ist, dass trotzdem 80% der global gespendeten Kleidung doch verbrannt werden. Auf den Verbrennungsanlagen herrscht immer eine große Ansammlung, denn selbst 60% der Kleidung, die verkauft wurde, landet innerhalb von einem Jahr wieder bei der Verbrennung oder im Müll, weil sie nach viel zu kurzer Zeit einfach wieder zurück geschickt wurden.

Die Onlineshops bekommen viel zu viele Retouren und wissen oft nicht wohin damit. Das ist nicht nur in Deutschland so, sondern weltweit ein Problem, weshalb seit jüngstem in Frankreich ein Gesetz verbietet, dass die vielen Retouren vernichtet werden.  

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Dennoch werben seit 2020 immer mehr Second-Hand-Märkte im Web, wie Vino Kilo, Kleiderkreisel oder aber auch Ebay Kleinanzeigen. Das Konzept von Vino Kilo überzeugt tatsächlich die meisten Einkäufer, da es sich Pop-up-Verkäufer handelt, die dann plötzlich auch in deiner Stadt anzutreffen sein können. Das Mainzer Start-up begeistert die Käufer mit einem anderen System, als die gewöhnlichen Läden. Bei den Verkäufen zahlt man nämlich nicht pro Kleidungsstück, sondern pro Kilo Kleidung.

Für ein Kilo Klamotten zahlt man 25 Euro und dazu werden Essen und ein Glas Wein angeboten für eine „geile Atmosphäre“, erklärt der Erfinder Robin Balser. Daher auch der Name. Seitdem Vino Kilo immer besser ankommt, ist es 2021 zum größten Pop-up-Event in Europa gekürt worden. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ein Drittel der Deutschen Second-Hand-Mode beim Shoppen berücksichtigen (Stand: 30.01.2021). 2020 waren es nur 6%. Die Befragten sagten außerdem, man würde einfach die Teile finden, die man nicht in den üblichen Markenläden fände. In Second-Hand-Läden entdeckt man auch Elemente alter Zeiten wieder, die für unsere Generation aber wieder zum Trend werden. Da könnte man auch mal durch die vielleicht noch vorhandenen, ausrangierten Kleidungsstücke der Eltern stöbern. Wer weiß, vielleicht findet man ja neue Lieblingsstücke, denn selbst der Kleiderschrank der Eltern oder Geschwister kann zum Second-Hand-Laden werden. Man gibt es ja dann weiter an die nächste Generation.  

Ich finde es wirklich schön, wenn ich lese, dass tatsächlich 83% der 15- bis 24-ährigen regelmäßig Second-Hand-Kleidung kaufen und damit dem Vintage-Trend folgen. Es freut mich einfach, dass so viele junge Leute sich nicht zu „cool“ dafür halten, auch mal was Anderes als Markenkleidung zu kaufen, und Jugendliche sich doch immer mehr dafür interessieren.

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In der Schule sieht man immer öfter Schüler, die den gleichen Pulli tragen. Bei Second-Hand-Kleidung passiert genau das nicht so leicht, weil man dann viele Einzelstücke besitzt. Außerdem ist es überhaupt nicht schwer, jene zu ergattern. Bei Markenherstellern sind manchmal angeblich nur noch 4 Teile vorrätig und man wird oft unter Druck gesetzt, es schnell zu kaufen, um noch ein Exemplar zu ergattern, bevor es weg ist. Bei den etwa 10.000-20.000 Second-Hand-Läden und den 40.000 Designern in Deutschland hat man diesen Druck hingegen überhaupt nicht. Man entdeckt sicher etwas, das einem gefällt, und der Clou ist, es hat dann vielleicht auch niemand Anderes. So kann man sich immer ein kleines Bisschen besonders oder extravagnt fühlen. 

Besonders wichtig finde ich für unsere Generation, dass man sich nicht nur egoistisch verhält, sondern sich auch um die Umwelt kümmert und einen Beitrag leistet. Ich möchte nicht daran schuld sein, wenn ich mit meinem entsorgten Polyesterpullover Abermillionen kleine Partikel von Mikroplastik in die Umwelt freisetze. Polyester wird nun mal aus Plastik auf Erdölbasis hergestellt und – selbst wenn es toll aussieht – möchte ich nicht die Verantwortung dafür tragen, dass unsere Umwelt daran langsam zugrunde geht. Einige denken womöglich, dass es das ein oder andere Shirt jetzt auch nicht mehr ausmacht. Das stimmt nicht! Es kommt auf jedes einzelne Teil an.

Über 8% der globalen Treibhausgase werden auf die Produktion und entsorgung unserer Kleidung zurückgeführt. Ob in der Herstellung oder der Verbrennung. Wir können alle einen Unterschied machen, selbst wenn wir nur einen kleinen Beitrag leisten. 2022 ist ein Jahr, in dem wir endlich lernen sollten, Verantwortung für unseren ökologischen Fußabdruck zu übernehmen. Wenn nicht jetzt, wann dann? 

Falls du noch ein wenig auf den Geschmack kommen willst: