Die Nacht
Eine Kurzgeschichte von Emma Hulbert, 7b
Ich hätte nicht gedacht, dass der Wald in Südtirol so belebt ist. Vögel zwitschern, Blätter rascheln und in der Ferne kann ich einen Bach munter gluckern hören. Voller Eifer spaziere ich mit meiner Mama durch die grüne Wildnis. Der Boden ist weich und die Luft ist frisch und sauber, wie nach einem Sommerregen. Es macht mir nichts aus, dass wir zu unserer Ferienhütte laufen müssen, im Gegenteil: Die Natur fasziniert mich. Vor uns flattert ein Schmetterling. Er lässt sich auf einer wunderschönen, prachtvollen Blume nieder.
„Komm Nick, wir sind fast da“, sagt Mama liebevoll. „Ich komme“, sage ich schnell und folge ihr weiter den Pfad entlang. Es beginnt langsam zu dämmern, aber der Pfad führt uns sicher zu einer Lichtung, auf der unsere Ferienhütte steht. Glücklich helfe ich Mama, sie herzurichten. Nach einer leckeren Maultaschensuppe, meinem Lieblingsgericht, krieche ich erschöpft in meinen Schlafsack. Als mir fast die Augen zufallen, höre ich plötzlich ein Geräusch. Erschrocken fahre ich hoch. Leise spähe ich durchs Fenster. Der Wald erscheint mir auf einmal bedrohlich. Die Äste neigen sich im Wind, als wollten sie nach mir greifen. Ich renne vom Fenster weg und verstecke mich panisch in meinem Schlafsack. „Mama! Mama!“, brülle ich hektisch. Meine Mama macht das Licht an und setzt sich neben mich. „Was ist denn Nick?“, fragt sie ruhig. „Ich will wieder nach Hause, es ist so unheimlich“, sage ich immer noch panisch. „Ach, Nick“, sagt Mama und nimmt mich in den Arm, „Komm mal mit.“ Zärtlich zieht sie mich nach draußen in die Dunkelheit. Gemeinsam setzen wir uns auf die Picknickdecke, die wir fürs Essen ausgebreitet hatten. Ich drücke mich eingeschüchtert an sie. Mama deutet hoch in den Nachthimmel, wo eine Wolke gerade den Blick auf den Mond freigibt. So wie jetzt habe ich den Himmel noch nie gesehen, unzählige Sterne funkeln geheimnisvoll über uns.


