Allgemein,  Meinung

Eingang zugemauert, Hintertür sperrangelweit offen

Warum das KI-Verbot am GSG scheitern wird

Ein Kommentar von Lukas Harper, 9d

Seit vergangenem Mittwoch sind ChatGPT, PerplexityAI, Microsoft Copilot und Co. auf unseren schulischen iPads gesperrt. Nachdem zu Beginn des zweiten Halbjahres auch die Handys aus der Schule verbannt wurden, sind wir nun komplett in die entdigitalisierte Steinzeit zurückgekehrt.
Nun ja. So schlimm ist es dann ja doch nicht. Und die Sperre für sämtliche künstliche Intelligenzen hat ja auch einen Grund: Es wurde ausgenutzt.


Mit Bildern von der Klassenarbeit – zack – hochgeladen im Chatbot, schrieben plötzlich Schülerinnen und Schüler, von denen man es offenkundig nicht erwartet hat, am laufenden Band Bestnoten. Ein kleiner Moment, in dem die Lehrkraft nicht hingesehen hat, reicht. Belügen wir uns selbst? Diesen Vortrag musste jeder von uns schon über sich ergehen lassen. „So lernt ihr ja nichts!“, heißt es dann. Genau! So lernen wir nichts. Wir lernen so nicht richtig, mit dem umzugehen, das in unserer Zukunft nicht mehr wegzudenken sein wird.

2050 wird nicht ohne Social Media, Künstliche Intelligenz und die digitale Welt funktionieren.

„Schule kann sich nicht um alles kümmern!“ Jenen Satz habe ich in diesen Tagen von einer Lehrkraft hören müssen. Und es hat mich offen gesagt schockiert! „Irgendwo stößt unser Lehrplan auch an seine Grenzen. Digitale Bildung ist Sache des Elternhauses.“ Sicher! Ohne richtige Prävention seitens der Erziehungsberechtigten KANN der Umgang mit dem „Neuland Internet“ nicht funktionieren.

Es braucht aber auch eine zweite Instanz: die Schule. „Die Schule soll den Schülerinnen und Schülern die dem Bildungs- und Erziehungsauftrag entsprechenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Werthaltungen vermitteln“, steht so im Hessischen Schulgesetz in §2(3). Das ist der Auftrag von Schule in Hessen. Aber genau diese Schule zieht sich aus der Verantwortung.

Andauernd. Ständig. „Das Leben besteht ja nicht nur aus Fächern, sondern aus Lebensmöglichkeiten und Lebenspraxis – in der digitalen Welt. Das ist die Idee dabei“, sagte Kultusminister Armin Schwarz (CDU) im September bei HEADLINE-Nachgefragt. Mit „Digitale Welt“ ging in Hessen unter seiner Führung ein neues Projekt an den Start. 80 von 1805 Schulen in Hessen boten dieses Schulfach an. Das sind 4%. Tolle Quote. So toll, dass das Fach in diesem Jahr gleich wieder eingestellt wurde. Schuld ist der historische Sparhaushalt der Landesregierung. Zumindest offiziell. Ich glaube: Es fehlt in der Bildungspolitik schlicht am Mut und an der Weitsicht, uns dieses Themenfeld näher zu bringen.

Es ist wie bei den Smartphones. Lästige Arbeit, diese Prävention. Dann lieber Verbote! Wenn ihr mich fragt… Schlechter Gedanke. Es ist immer einfacher, Dinge zu verbieten. Den richtigen Umgang lehren, muss man wollen. Ich sage nicht, dass diese Bereitschaft nicht besteht. Die treibenden und motivierten Lehrkräfte sind jedoch zu sehr in der Unterzahl.

Wir kommen nicht weiter, wenn Schülerinnen und Schülern – nebenbei gesagt ohne Kommunikation – die Nutzung dieser Seiten untersagt wird. Es verlagert das Problem. Frustrierte Schüler finden neue Webseiten, haben sie schon gefunden. Über das Handy wird die KI genutzt und ans Tablet geschickt. Der Eingang ist zugemauert. Die Hintertür steht aber sperrangelweit offen.

Am Ende zeigt die Sperrung vor allem eines: Hilflosigkeit. Solange die Bildungspolitik Digitalisierung als Problem versteht, das man wegsperren kann, statt als Werkzeug, das man beherrschen muss, verliert die Schule den Anschluss an die Realität. Ein Verbot löst keine pädagogischen Herausforderungen – es verschiebt sie nur so lange, bis die Zukunft uns endgültig überholt hat.