Allgemein,  Meinung

Der Hype um Skinny Culture

Ein Kommentar von Chiara Mosca

„Nichts schmeckt so gut, wie es sich anfühlt, dünn zu sein“ dieser Satz -beziehungsweise die englische Originalversion „nothing tastes as good as skinny feels“- kam vom Model Kate Moss in den 90er Jahren und wird heute, sowie damals als sehr kontrovers angesehen. Wenn man bedenkt, was für einen großen Einfluss Moss auf junge Mädchen hatte, ist die Kritik auf jeden Fall gerechtfertigt.
Die 90er waren dafür bekannt, dass die Models der Zeit dünner denn je waren. Wobei dünn kein Ausdruck ist, abgemagert trifft es eher.
Wie schon immer kehren Trends zurück und damit auch der sogenannte „Heroin chic“ Trend. Wie es sich mit dem Namen vermuten lässt, ist die Ästhetik von sehr dünnen Körpern, dunklen Augenringen und ungekämmten Haaren geprägt. Es war trendig, drogenabhängig auszusehen.



Falls ihr euch mit Pop Kultur auseinandersetzt -oder auch einfach wenn ihr irgendwas mitbekommt, was sich gerade in Hollywood und Co. abspielt- müsste euch aufgefallen sein, dass viele Schauspielerinnen wieder erschrecken dünn geworden sind. Diesmal ist der ganze Aushungerungsprozess so einfach wie nie, dank eines besonderen Helfers…ehem Ozempic…

Aber worauf will ich überhaupt hinaus? Sollen Frauen doch mit ihrem Körper machen, was sie wollen. Selbstbestimmung ist uns Feministinnen doch so wichtig…

Nur kann man es kaum Selbstbestimmung nennen, wenn die Gesellschaft Frauen zwingt, in ein gewisses Weltbild zu passen.

Dieser Hunger nach Schlankheit ist kein Modetrend, sondern ein kleverer Schachzug von Kontrolle. Seit Jahrzehnten gibt es Schönheitsideale, nur werden sie umso skurriler, desto konservativer die Gesellschaft wird.

Mit dem steigenden Konservatismus wird die Frau wieder mehr als Accesoire und weniger als vollwertiger Mensch gesehen. Man nehme die Frauen als Beispiel, die sich für ein Leben als Hausfrau und Mutter entscheiden, während sie den Feminismus als Schwachsinn abstempeln. Wenn diese Frauen nur wüssten, dass erst der Feminismus ihnen ermöglicht, sich selbst für den gewünschten Lebensstil entscheiden zu können…

Beim „accesoirisieren“ der Frau kommt es natürlich gelegen, wenn sie sich aus „eigenem Willen“ klein, schwach und vorallem beschäftigt halten. Ich meine, so einen Körper ohne einen Gramm Fett hält sich nicht von alleine so in Form.
Da ist man schonmal zu beschäftigt, in eine xxxxxs zu passen, als mitzubekommen, was mit den eigenen Rechten passiert…

Was auch schon immer mit dem Konservativen mitschwingt, ist Rassismus. Und ob ihr es glaubt oder nicht, der spielt hierbei auch eine große Rolle. In westlichen Kulturen war der ideale Frauenkörper schon immer weiß und „diszipliniert“, was so viel heißt wie „achte ja drauf, dass du immer schön zum Anschauen bist“. Wunderlich ist dann aber, warum schwarze -beziehungsweise POC- Körpermerkmale fetischisiert wurden und immer noch werden. Das Patriarchat lässt grüßen…

Noch vor Kurzem waren kurvige Körper noch der letzte Schrei, aber eben erst, als man sie an weißen Körpern -wie zum Beispiel bei Kylie Jenner- gesehen hat, während Körper von schwarzen Frauen seit der Zeit der Kollonialisierung für die gleichen Merkmale abewertet wurden. Kulturelle Aneignung, yay!

Ist dein Körper dann endlich in, da ist er schon wieder out. Siehe Jenner, die sich grade ihren „Brazilian Buttlift“ auflösen lassen hat. So lässt es sich zumindest nach aktuellen Fotos vermuten. Natürlich beim Schönheitschirurgen des Vertrauens, der hat ja auch die Kurven vor ein paar Jahren hingezaubert. Hinzaubern im Sinne von „lass paar Scheinchen rüberwachsen“, wenn ihr versteht, auf was ich hinaus will…
Muss ja ziemlich lukrativ sein, wenn die Mädels alle paar Jahre wiederkommen „müssen“…

Um meinen Standpunkt klarzumachen: Das hier ist weder „skinny shaming“, noch eine Kritik an Frauen, die Opfer von unserem aktuellen Schönheitsideal sind. Ich kritisiere ausschließlich unser System und die Gesellschaft, die dieses toleriert und sogar unterstützt.
Hinterfragt Trends und lasst euch nicht diktieren, wie ihr auszusehen habt, um ins Allgemeinbild zu passen.
Ihr solltet nur auf eins hören und das ist euer eigener Körper.