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Sisi

Schicksale einer Kaiserin

Eine Denkanstoß von Marie Lüder, Klasse 12

Wunderschöne Kleider, lange braune Locken und funkelnde Sterne im Haar – Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sisi, ist wohl eine der bekanntesten, wenn nicht sogar die bekannteste Persönlichkeit der Habsburgergeschichte. Die meisten denken bei ihrem Namen wahrscheinlich an die berühmten Filme mit Romy Schneider, in denen ein wunderschönes, süßes Kaiserpaar die Herzen ganz Deutschlands erobert. Doch hinter Sisi steckt so viel mehr, eine dunklere Wahrheit, die nur wenige wirklich kennen.

Was viele in Bezug auf Sisi außer Acht lassen, ist, dass sie zum Zeitpunkt des Heiratsantrags gerade einmal 14 Jahre alt war. Als sie zur Hochzeit nach Wien kam, war sie erst 15. Man muss sich einmal vorstellen, mit 15 an den Wiener Hof zu kommen, das freie und unbeschwerte Leben in Possenhofen aufzugeben und von nun an in aller Öffentlichkeit nach der strengen habsburgischen Etikette zu leben. Das klingt alles andere als einfach.

Genauso fühlte sich auch die junge Sisi. Schon ihre Anreise war belastend. Die 15-Jährige kam mit dem Schiff über die Donau nach Wien. Durch die Heirat mit der jungen, schönen Braut erhoffte sich die kaiserliche Familie einen Imagegewinn, da sie durch revolutionäre und antimonarchistische Kräfte stark in der Kritik stand. Deshalb musste Sisi von Anfang an perfekt in Szene gesetzt werden. Während der gesamten, mehrtägigen Reise im kalten und windigen April musste sie vorne an Deck stehen und den Menschen am Ufer freundlich zuwinken. Man kann sich vorstellen, wie unangenehm und anstrengend das für ein junges Mädchen gewesen sein muss. Es lag durchgängig eine enorme Belastung auf ihr, sich anzupassen und akzeptiert zu werden.

Auch ihr Start in Wien verlief alles andere als glücklich. Am Tag ihrer Hochzeit blieb sie beim Aussteigen aus der Kutsche mit ihrer Tiara am Dach hängen, stolperte und fiel vor den Augen einer großen Menschenmenge. Ein unangenehmer Beginn ihres Lebens in Wien und ihrer Ehe.

Während der Hochzeit fühlte sie sich einsam und ängstlich. Als sie schließlich vertraute Gesichter, ihre Cousinen, sah, lief sie sofort zu ihnen und umarmte sie. Endlich etwas Vertrautes. Doch selbst das hatte Konsequenzen. Ihre Hofdame tadelte sie, da ein solches Verhalten für eine Kaiserin als unangebracht galt. Sisi brach in Tränen aus und verließ ihre eigene Hochzeit.

Darauffolgend verbrachte sie die Flitterwochen mit Franz auf Schloss Laxenburg. Doch anders als bei gewöhnlichen Ehepaaren verbrachte das Kaiserpaar diese Zeit größtenteils getrennt. Franz hatte die Unterkunft bewusst gewählt, da sie nicht weit von Wien entfernt lag und er tagsüber zur Arbeit zurückkehren konnte. Sisi war allein, denn er kam nur nachts zu ihr. In ihrem Tagebuch schrieb sie, dass sie sich wie in einem Kerker fühlte.

Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn (1837-1898), Lithographie von Adolf Dauthage, ca. 1860 (Quelle: wikimedia, public domain)

Auch ihr weiteres Leben am Hof war von inneren Konflikten geprägt. Besonders die Beziehung zu ihrer Schwiegermutter, die gleichzeitig auch ihre Tante war, Erzherzogin Sophie, machte Sisi schwer zu schaffen. Die Erzherzogin war eine traditionelle und strenge Frau, ganz anders als die junge Sisi und das freie Leben, das sie in Possenhofen genossen hatte. Sie kontrollierte sie stark und ließ ihr kaum Freiheiten. Sisi fühlte sich zunehmend eingeengt und hatte das Gefühl, überhaupt keinen Einfluss mehr auf ihr eigenes Leben zu haben. So nahm Erzherzogin Sophie Sisi beispielsweise gegen deren Willen ihre erste Tochter Sophie weg, um sie ohne die Mutter zu erziehen. Eine Szene, die auch in der Sissi-Trilogie aufgegriffen wird.

Hinzu kamen extreme Schönheitsideale, denen Sisi versuchte zu entsprechen. Tatsächlich litt sie an einer schweren Essstörung und Magersucht. Zeitweise ernährte sie sich über mehrere Monate hinweg fast ausschließlich von Milch und Orangensaft. Sisi war regelrecht besessen von ihrem Aussehen, weshalb ihr Körper zu einer Art Projekt wurde. Sie machte täglich mehrere Stunden Sport und besaß sogar ein eigenes Turnzimmer.

Gleichzeitig nutzte sie das Reisen als Flucht aus ihrem Alltag am Hof. Sisi liebte das Meer und ließ sich, passend zu ihrer rebellischen Art, ein Anker-Tattoo auf die Schulter stechen. Um ihre strengen Diäten auch unterwegs einhalten zu können, nahm sie auf ihre Reisen sogar zwei eigene Milchkühe mit.

Ihre Ehe mit Franz Joseph war ebenfalls alles andere als harmonisch. Um selbst mehr Freiheit zu gewinnen und reisen zu können, soll sie sogar aktiv dazu beigetragen haben, die Beziehung ihres Mannes zu der Schauspielerin Katharina Schratt zu arrangieren.

All das zeigt, dass Sisi weit entfernt war von dem märchenhaften Bild, das viele mit ihr verbinden. Sie war eine zerrissene, teils schon kranke Persönlichkeit, von der nur wenige wirklich wissen. Gerade deshalb ist sie ein gutes Beispiel dafür, wie sehr sich Realität und Darstellung unterscheiden können. Sie steht sinnbildlich dafür, dass wir das, was wir in Filmen und Medien sehen, immer hinterfragen sollten.