Unsere Bibliothek…
…ist kein Lernort mehr
Ein Kommentar von Lukas Harper, 9d
Unsere Schulbibliothek wurde „neu gedacht“. Neue Möbel, bunte Couches, offene Flächen, ein frisches Design mit neuen Lernräumen, auch in anderen Räumen nebenan. Alles WIRKT moderner, zeitgemäßer. Es war längst überfällig, die PCs aus dem letzten Jahrhundert und die großen grauen Regale vor die Tür zu stellen. Kurz: Es sieht gut aus.
Nur leider funktioniert es nicht so, wie es eigentlich sein sollte.
Denn wer ernsthaft versucht, dort zu lernen, merkt schnell: Diese Bibliothek ist kein Rückzugsort. Was bringen Lernräume, wenn es drumherum an Störfaktoren wimmelt?
Schon an der Tür beginnt das Chaos. Ranzen und Schulrucksäcke stapeln sich zu einem Hindernisparcours. Der Grund: Man darf sie nicht mit hineinnehmen. Warum eigentlich? Platzproblem? Ordnung? Was auch immer die Idee war – in der Praxis ist sie gescheitert.
Denn statt Ordnung entsteht genau das Gegenteil. Schüler laufen im Minutentakt zu den Regalen, weil wieder irgendetwas aus dem Rucksack fehlt. Ein Stift, ein Heft, das iPad. Das Ergebnis ist dann: Dauerbewegung, Dauerlärm, null Konzentration.
Als wäre die Ranzen-Regel nicht absurd genug, wird daraus sogar ein echtes Problem: Wir stellen unsere Taschen ausgerechnet dorthin, wo im Ernstfall alle rausmüssen. Der Fluchtweg wird zur Ablagefläche. Eine Regel, die angeblich für Ordnung sorgt, produziert also potenziell Unsicherheit. Schwer nachzuvollziehen.
Drinnen wird es dann nicht besser. Die Bibliothek ist laut – und zwar nicht nur in den Pausen. Gespräche, Laufwege, Unruhe. Wer hier für eine Klausur lernen will, braucht entweder Ohropax oder sehr starke Nerven. Dass zusätzlich immer häufiger Vertretungsstunden in die Bibliothek verlegt werden, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ganze Klassen in einem Raum, der eigentlich Ruhe garantieren soll – das ist kein Konzept, das ist Kapitulation vor der Raumplanung und dem Lehrkräftemangel. Ganz ehrlich: Dann lasst die Stunde doch einfach ausfallen! Wie produktiv sind denn 30 junge Leute, wenn sie unbeaufsichtigt und ohne Lehrkraft an einem langen Tisch sitzen?
Die bittere Wahrheit: Diese Bibliothek ist vor allem eines – gut gemeint. Aber gut gemeint reicht nicht. Ein Lernraum muss funktionieren. Er muss ruhig sein. Verlässlich. Nutzbar.
Aber all das ist unsere Bibliothek aktuell nicht.
Der neu geschaffene „Lerntreff“ im Nachbarraum wird zur neuen Bibliothek. Zu einem RUHIGEN Ort. Von vorne herein jedoch nur für die Oberstufe. Ergibt Sinn, denn natürlich brauchen Schülerinnen aus der zehnten Klasse keinen Lernspace mit angenehmer Arbeitsatmosphäre…
Wenn sich nichts ändert, bleibt die Bib ein Ort, den man meidet, statt ihn zu nutzen. Ein Raum, der gut aussieht, aber seinen Zweck verfehlt.
Oder noch deutlicher: Eine Bibliothek, in der man nicht lernen kann, ist keine Bibliothek – egal, wie modern sie wirkt.
Zum Schluss noch ein persönlicher Hinweis: Mein größter Respekt gilt dem Bücherei-Team, das trotz teils schwieriger Situationen jeden Tag freundlich, hilfsbereit und zugewandt bleibt. Meine Kritik richtet sich daher nicht gegen die Menschen vor Ort, sondern gegen die Strukturen, in denen sie arbeiten müssen.


