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Gegen das Vergessen

Stolpersteinverlegung in Flörsheim

Wer die Fahnen vor der Schule auf Halbmast hat hängen sehen, hat vielleicht auch vom internationalen Tag zum Gedenken an die Opfer des Holocaust gehört. Dieser findet jährlich am 27. Januar statt und markiert damit auch den Tag an dem das KZ Auschwitz befreit wurde. In Deutschland geschieht jenes seit 1996 und seit 2005 ist der Gedenktag auch international von der UN anerkannt.

An solchen Tagen wird oft von 6 Millionen Opfern gesprochen. Unvorstellbar Zahlen, die man eigentlich kaum greifen kann. Dass dahinter viele Millionen Menschen stehen, auch Bürger, die auch in Flörsheim gelebt haben, gerät dabei oft in den Hintergrund. Deshalb entstand unter anderem die Initiative der Stolpersteine. In Flörsheim gibt es mittlerweile 30 von ihnen, vor den Häusern, in denen die Opfer der Shoa gelebt haben, und die den Zahlen Namen und Gesichter geben.

Am 27. Januar kamen noch sieben weitere hinzu. Sie erinnern an Rosa Schwarzschild, Carola Wolf, Karolina Hecht, Helene Hecht, Leopold Hecht, Harald Heinz Hecht und Karolina Hecht. Schüler*innen der Sophie-Scholl-Schule und des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums setzten sich mit ihren Biografien auseinander und gaben den Zahlen nicht nur Namen, sondern auch Schicksale.

Die Verlegung begann in der Kloberstraße 2. Die Vertreterin des Vereins Stolpersteine Flörsheim e.V. und Bürgermeister Bernd Blisch betonten noch einmal, wie wichtig es ist die Erinnerungskultur immer weiterzuführen und dass es keinen Zeitpunkt gibt, an dem man jemals damit aufhören könnte. Denn es ist unsere Verantwortung dafür zu sorgen, dass diese Menschen niemals in Vergessenheit geraten.

Der erste Stein, der an diesem Tag verlegt wurde, trägt den Namen von Rosa Schwarzschild, die nur unweit des heutigen Bahnhofs wohnte. Sie wurde am 3. Oktober 1888 in Weyer bei Limburg geboren und zog nach ihrer Hochzeit mit ihrem Mann nach Flörsheim, wo sie drei Kinder bekamen. 1925 verstarb ihr Mann und sie zog ihre Kinder allein groß. Doch schon bald begann die Ausgrenzung und Verfolgung der Juden durch die Nazis und sie flüchtete sie ihren Kinder nach in die Niederlande. Doch auch dort war sie leider nicht sicher und  wurde nach Ausschwitz deportiert, wo sie nach ihrer Ankunft am 7. September 1943 in den Gaskammern ermordet wurde.

Rosa Schwarzschilds Tochter Carola Wolf wuchs bei ihrer Mutter in Flörsheim auf, besuchte eine Schule in Mainz und arbeitete als Verkäuferin. Sie heiratete ihren Mann Philip Wolf und zog zunächst nach Köln, doch 1938 mussten sie in die Niederlande flüchten, in der Hoffnung dort endlich ankommen zu können. Am 19. August 1939 kam Rudi Rosa Wolf, ihre Tochter zur Welt. Doch im Juli 1942 wurden sie erneut gezwungen weiterzuziehen und kamen bei einer niedeländischen Familie unter. Doch auch dieses Versteck wurde entdeckt und nach ihrer Deportation nach Ausschwitz wurde die Familie am 10. September ermordet. Carola war gerade mal 26, Rudi 4 Jahre alt.

Zuletzt gedachten wir in der Plattstraße 39 der Familie Hecht, zu der Leopold Hecht, Helen Hecht, Heinz Harald Hecht und Karolina Hecht gehörten. Sie alle waren fester Bestandteil der Flörsheimer Gemeinschaft und dennoch entschieden sie sich Heinz Harald, Helene und Leopold Hecht nach Frankreich zu flüchten, wo sie mit Leo Mannheimer zusammenwohnten, welcher auch das Gedicht im Flörsheimer Dialekt Verfasste, welches neben den Biografien der Familienmitglieder ebenfalls von einer Schülerin unserer Schule vorgetragen wurde. Alleine Heinz Harald schaffte die Flucht in die USA, wo er eine Familie gründen und bis 2011dort lebte. Seine Eltern konnte er von all dem nicht mehr berichten, da sie nach Ausschwitz deportiert und dort von den Nazis ermordet wurden. Karolina Hecht wollte ihre Heimat nicht verlassen und ging nach Frankfurt in ein jüdisches Altenheim, was jedoch im Verlauf der Herrschaft des Regimes als Übergangslager, in dem die Menschen unter schrecklichen Bedingungen leben mussten, missbraucht wurde. Karolina wählte schließlich den Freitod, um den Grausamkeiten zu entfliehen.

Während die Nazis aus diesen Individuen Nummern gemacht haben, holen wir ihre Geschichte in die Gegenwart und sorgen dafür, dass ihre Namen und Schicksale niemals vergessen werden. In Zeiten, in denen immer mehr Leute sich wieder in Richtung rechts bewegen, ist es umso wichtiger immer wieder jedem vor Augen zu führen, wohin uns dieser Weg einmal geführt hat. Hier geht es nicht um Zahlen, sondern um Nachbarn, Mitglieder des Sängervereins, Mütter, Kinder, Väter und Großeltern, die sich einfach nur ein friedliches Leben innerhalb der Gemeinschaft gewünscht haben, zu der sie selbst gehörten.

Lasst sie uns nie vergessen und ihre Namen weitertragen!