Allgemein,  Aus dem Unterricht

Kratzer

Eine Kurzgeschichte von Maya Ewen, 7b

Ich sah Schneeflocken an die Fensterscheibe springen, viele Kinder, die im Schnee spielten. Sie sahen glücklich aus. Ich wünschte, sie würden mit mir spielen wollen oder mich wenigstens anlächeln. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, niemand sieht mich.

„Hallo! Ich bin Lisa, deine Ärztin!“, reißt mich eine Frau im blauen Anzug aus meinen Gedanken. „Hallo“, sagte ich etwas ängstlich, was ist, wenn sie mich auch nicht mag, wie Mama und Papa? Eher gesagt, meine leiblichen Eltern… „Ich habe gehört, du hast dich verletzt!“ „Ja“, sage ich etwas verklemmt. „Hm, ok! Ich hole noch jemand anderen dazu.“

Sie geht raus. Ich schaue mich etwas im Raum um. Es riecht ein bisschen nach Krankenhaus. Neben mir ist ein Bild, wo ganz viele Kinder drauf sind. Ich schaue es mir etwas genauer an. Ich sehe einen Jungen, er hat viele Kratzer im Gesicht. Wahrscheinlich hat er genauso leiden müssen wie ich.

Durch meinen Kopf geht dieses Angstgefühl aus dem kalten Keller. Die Ärztin kommt wieder rein, mit einer anderen Frau. Sie trägt einen Rock und lächelt mich freundlich an. Um ihren Hals trägt sie ein kleines lilanes Schild mit der Aufschrift „Sozialarbeiterin: Frau Bauer“.

Oh nein! Sozialarbeiterin. Heißt das ich, werde für immer in diesem kleinen Raum sein und mit ihr über meine Probleme reden? Schnell versuche ich meine Gedanken loszuwerden. Frau Bauer fragt mich, wie es mir gehe und ob ich gut angekommen bin. Ich bejahe dies, obwohl ich mir eigentlich nicht so sicher bin. Ich hoffe, ich komme bald in eine nette Pflegefamilie oder komme wenigstens mit einem netten Mädchen auf ein Zimmer.

„Was passiert jetzt mit mir?“, frage ich hoffnungsvoll. „Du bleibst jetzt erstmal bei uns und kriegst ein schönes Zimmer, du brauchst keine Angst zu haben.“

Puh, was ein Glück, hier bin ich sicher. Wir gehen in mein neues Zimmer. Dort erwartet mich ein Mädchen mit blonden Haaren und blauen Augen. Sie sah sehr nett aus. „Hallo, ich bin Clara, deine neue Mitbewohnerin.“ Wir reden lange miteinander. Über meine Eltern und über mein vorheriges Leben. Wir verstehen uns gut. Sie erzählt mir, dass sie schon 5 Jahre hier ist und noch niemand hätte sie angenommen.

Clara tut mir irgendwie leid. In diesem Moment klopft es an der Tür. Es war Frau Bauer. „Es gibt eine Familie, die zwei Mädchen annehmen würde!“ Clara und ich schauen uns glücklich an. Ich war so aufgeregt! „Na, wollt ihr?“, fragt Frau Bauer. „Ja, ja!“ schreien wir. Voller Vorfreude auf die Familie packten wir unsere Sachen. Eigentlich nur Clara, weil ich war ja gerade erst angekommen.

Mit Frau Bauer rannten wir die Treppen runter und da stand sie, unsere neue Familie!


Diese Geschichte entstand im Rahmen des Deutschunterrichts der Klasse 7 bei Frau Alberti.