Gedenkstättenfahrt zum Reichsparteitagsgelände
Ein Ausflug der zum Nachdenken über Größenwahn, Vergangenheit und Gegenwart und Erinnerungskultur anregt
Ein Bericht von Nina Thaler, 13E
Gedenkstättenfahrt. Wenn Ihr noch nie davon gehört habt, geht es euch so wie mir bis vor kurzer Zeit. Was ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ist nämlich, dass jeder Geschichtskurs unserer Schule in der 13. Klasse einen Tag lang einen Ausflug zu einer historischen Gedenkstätte macht.
Während andere Kurse sich auf den Weg nach Frankfurt oder Worms machten, ging es für die Geschichtsgrundkurse von Herr Mussel und Herr Vogel schon um 6:30 Uhr an der Stadthalle los mit dem Bus in Richtung Nürnberg und dem Reichstagsgelände.
An dem Museums- und Informationsteil des Geländes angekommen verbrachten wir schonmal ein bisschen Zeit in der Ausstellung, bevor unsere Workshops zum Thema Zwangsarbeit und NSU begannen. Gemeinsam gingen wir nochmal die Ausstellung durch und wurden dabei von einem Fernsehteam des BR begleitet, die eine Sendung über den internationalen Tag zum Gedenken an die Holocaustopfer drehten. Dieser findet jährlich am 27. Januar statt. Vielleicht habt ihr auch gesehen, dass die Fahnen vor unserer Schule auf Halbmast hingen. Auch das geschieht an diesem Gedenktag in ganz Deutschland, um den Menschen zu gedenken, die den grausamen Taten der Nazis zum Opfer gefallen sind.
Damit haben wir uns auch beim Workshop zum Thema Zwangsarbeit auseinandergesetzt. Gemeinsam sahen wir uns die Biografien verschiedener Kriegsgefangener, die von dem Regime mit Zwangsarbeit ausgenutzt wurden an und stellten auch hier fest, wie sehr zwischen den Herkunftsländern unterschieden wurde und, dass jeder der nicht in das „arische Bild“ passte wesentlich schlechtere Überlebenschancen hatte.
Während der anschließenden Mittagspause unterhielten wir uns noch weiter über dieses Thema und wie unvorstellbar abscheulich es ist Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Sexualität als minderwertiger anzusehen und damit grausame Verbrechen und Massenmord zu rechtfertigen. Genau deshalb kamen wir auch zu dem Schluss, dass die Gedenkstättenfahrt sehr wichtig ist, um uns mit Hilfe von realen Gebäuden oder Denkmälern nochmal ganz stark bewusst zu machen, dass all das wirklich der Realität entsprach und, dass wir gerade in Zeiten wie diesen, in denen rassisctische Denkweisen wieder salonfähiger werden, alles daransetzen müssen, dass sich solche Grausamkeiten nicht einmal ansatzweise wiederholen können.

Bei der anschließenden Führung über das Reichsparteitagsgelände wurde uns noch einmal bewusst welcher Größenwahn hier umgesetzt werden sollte. Bereits vor der Machtergreifung Hitlers veranstaltete man in Nürnberg diverse Großveranstaltungen, darunter auch die Parteitage der NSDAP. Nachdem Hitler an die Macht gekommen war, wurde in Nürnberg damit begonnen ein riesiges Gelände zu bauen, um dort Parteitage abzuhalten, was in der Zeit vor dem Krieg auch jährlich geschah. Diese Veranstaltungen waren große Propagandainszenierungen, die gefilmt und fotografiert wurden, um anschließend zu zeigen wie mächtig das Regime sei. Außerdem wollte man das Gemeinschaftsgefühl unter den anwesenden stärken und richtete neben den Reichsparteitagen auch andere Veranstaltungen aus, um dafür zu sorgen, dass möglichst viele diesem Bild der „Übermacht“ hinterherlaufen würden.
Allerdings wurde das Gelände nie fertiggestellt. Von der Kongresshalle, die bis zu 50.000 Leute fassen sollte, steht nur der Außenring. Die letzte Etage und das Dach wurden nie hinzugefügt. Ebenso wurde das Zeppelinfeld, welches für große sportliche Veranstaltungen genutzt werden sollte und die große Straße mit Tribünen und einem anschließendem riesigem Stadion, dem Märzfeld in dem Kämpfe stattfinden sollten, nie fertig gebaut. Dies zeigt, dass genau dieser Größenwahn und diese mörderische Ideologie am Ende doch nicht die Oberhand behalten sollten.
Heute gibt es an diesen Orten Kulturveranstaltungen oder Informationsstätten, wie die, die wir besuchen durften. Auf dem Platz des Stadions wird Football und Fußball gespielt und auf dem Ring um die Zeppelintribüne herum werden einmal jährlich die Autorennen der DTM ausgetragen. Damit ist das Reichparteitagsgelände heute genau das Gegenteil von dem, was es einmal werden sollte. Ein Ort für Begegnung und kulturellen Austausch, an dem Menschen mit den verschiedensten Hintergründen zusammenkommen, um gemeinsam ohne Vorurteile zu lernen, Sport zu treiben und auch einfach Spaß zu haben. So sorgt es dafür, dass menschenfeindliche Ideologien hoffentlich nie mehr Fuß fassen werden.


