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HEADLINE-Adventskalender 2025

20. Türchen

In diesem Jahr gibt es nach drei Jahren Pause endlich wieder einen HEADLINE-Adventskalender! In der ganzen Vorweihnachtszeit könnt ihr jeden Tag ein Türchen öffnen und euch von Gedichten, kleinen Rückblicken auf fast 10 Jahre HEADLINE-Geschichte, weihnachtlichen Witzen und vielem mehr überraschen lassen! Wir wünschen euch heute viel Freude mit dem zwanzigsten Türchen!


Weihnachten wie jedes Jahr

Eine Kurzgeschichte von Nele Schütz, 7b

❗️ Nele behandelt in ihrer Geschichte den Verlust eines geliebten Menschen. Wenn dir das zu schaffen macht und du selber einen solchen Verlust durchmachst oder durchgemacht hast, musst du damit nicht alleine klarkommen! Für Jugendliche in Trauer gibt es spezielle Hilfetelefone wie die Nummer gegen Kummer (116 111), die anonym und kostenlos rund um die Uhr erreichbar ist, sowie die Telefonseelsorge (0800/111 0 111oder 0800/111 0 222), die ebenfalls 24/7 erreichbar ist. Unsere Sozialpädagoginnen am GSG Frau Dittrich und Frau Grieß sind auch immer für Gespräche verfügbar!

„Ding Dong“ macht die Glocke. Meine Mutter ruft: „Komm runter Max, die Bescherung beginnt. Wenn du dich beeilst, siehst du noch den Weihnachtsmann.“ Meine Schwester Paula und ich laufen langsam die Treppe runter. Ein vanilliger Duft stößt mir entgegen. Ich denke: „Als ob ein 16-jähriger Junge noch an den Weihnachtsmann glaubt! Meine kleine Schwester Paula vielleicht, ich aber nicht.“

Als ich unten ankomme, begrüßt mich der strahlende Blick meiner Mutter und eine Schale mit Vanillekipferln auf dem Tisch. Wie jedes Jahr eben. Unter dem Weihnachtsbaum liegen sorgfältig verpackte Geschenke. Früher, als Papa noch da war, war Weihnachten viel lustiger. Papa hat uns lustige Geschichten von ihm früher erzählt. Doch jetzt geht das nicht mehr. Jetzt schaut er uns nur von oben zu. Vielleicht sieht er mich,… vielleicht.

„Na los, wer möchte als erstes sein Geschenk auspacken?“, meine Mama reißt mich aus den Gedanken. „Ich, ich möchte als erstes mein Geschenk auspacken“, ruft Paula. Sie nimmt sich ihr erstes Geschenk und reißt es auf. Dort sind Regenbogenmarker drinnen und oben auf liegt eine rosafarbene Erdbeer-Peeling-Maske. „Danke Weihnachtsmann, die habe ich mir schon immer gewünscht“, freut sich Paula.
Ich nehme mein Geschenk und öffne es. Ein ferngesteuerter Monstertruck.
Mama meint: „Oh wie toll es sich der Weihnachtsmann ausgesucht hat. Das hast du dir doch schon immer gewünscht. Bedank dich doch beim ihm.“

Was soll ich denn mit so einem Schrott? Ich brauche ein neues Handy oder wenigsten Airpods. Es ist immer so peinlich, wenn ich mit meinen Kabelkopfhörern rumlaufe. Ich habe jetzt schon keine Lust mehr. Aber ich reiße mich zusammen und bleibe unten. Ich sage ganz leise: „Danke!“
Es ist eigentlich klar, dass Mama nicht zufrieden sein wird.
„Nein, nein, nein!“, meint Mama, „viel lauter, er hört dich doch sonst gar nicht.“

Ich stottere vor mich hin: „Dan..Danke..schön!“ – „Guck mal Mama, ich habe auch ein Geschenk für dich gemacht“, ruft Paula stolz und lacht dabei fröhlich. „Oh, das ist aber lieb von dir“, bedankt sich Mama. Sie öffnet das Geschenk und küsst Paula. Eugrhh! Ich hasse es, wenn man geküsst wird. Naja egal, Hauptsache sie probiert es nicht bei mir. Als Mama das Geschenk öffnet, sieht sie ein selbst gemaltes Bild. Auf dem Bild sind Mama, Paula und ich abgebildet und von oben guckt ein Mann herunter. Ich glaube, es soll Papa darstellen. Mama hat es auch irgendwann kapiert. Ich sehe wie sich Tränen in ihren Augen bilden.

Mir wird erst jetzt wirklich klar, wie sehr ich Papa eigentlich vermisse. Ich sage leise und mit einer traurigen Stimme: „Wir stehen das gemeinsam schon durch. Wir schaffen das schon. Wie jedes Jahr!“