Die Erde – kein Zirkuszelt, sondern unsere Manege

Ein Meinungsbeitrag von Marie Lüder, 12C

„Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan.“ Kommt euch dieses Zitat bekannt vor? Kein Wunder- man könnte meinen, dass wir momentan überall, in allen Medien, Fernsehprogrammen und Zeitungen, mit solchen polarisierenden Aussagen und Debatten konfrontiert werden. Dabei bleibt das angesprochene Verbot, Veggie-Alternativen wie Schnitzel, Bratwurst oder Hähnchen dementsprechend zu benennen, kein Einzelfall. Ein weiteres Beispiel für solche nebensächlichen Verbote ist das Verbot, zur Ehre der LGBTQ+-Community während des Pride-Months eine Regenbogenflagge am Bundestag zu hissen. Denn laut Friedrich Merz sei dieser „kein Zirkuszelt“.


Solche Maßnahmen erfordern viel Energie, Geld und Zeit, was einige Bürgerinnen und Bürger stutzig macht. Ist es wirklich nötig, alle Fleischalternativen umzubenennen? Ist es in Ordnung, die Lebensmittelhersteller zu solchen Änderungen und den damit einhergehenden Kosten zu verpflichten? Sollten solche Themen wirklich so viel Aufmerksamkeit unserer Regierenden bekommen, wenn nicht einmal 2.000 Kilometer entfernt ein Krieg wütet?


Verfolgt man die aktuellen politischen Entwicklungen, stößt man häufig auf Debatten, die von vielen Menschen als Zeitverschwendung wahrgenommen werden. Ein solcher Fall ist die Gender-Debatte. Im April 2024 hat die hessische Landesregierung das Gendern verboten. Über dessen Richtigkeit lässt sich streiten, begründet wurde das Verbot mit einer schlechteren Lesbarkeit und Verständlichkeit von Texten durch Sternchen (Beispiel: Schüler*innen) oder Binnenstriche (Beispiel: SchülerInnen). Hiermit ist es uns Schülern untersagt, in Klausuren zu gendern. Wir können dafür sogar Punktabzug wegen Rechtschreibfehlern bekommen. Auch Lehrkräfte dürfen in offiziellen Schreiben oder Elternbriefen nicht gendern.


Nun greift das hessische Kultusministerium hart mit seinem Gender-Verbot durch: Die Heinrich-von-Kleist-Schule aus Eschborn wurde angewiesen, alte Instagram-Beiträge zu löschen oder zu überarbeiten, weil diese teilweise gegenderte Sprache enthielten. Die kooperative Gesamtschule beugt sich zwar der Forderung des Kultusministeriums, meldet sich jedoch mit sarkastischem Ton in einem Instagram-Beitrag zu Wort: Es brauche eine gewisse Gründlichkeit, um Profile nach Sonderzeichen zu durchsuchen, und man wünsche sich, diese Zeit lieber in etwas Sinnvolleres zu investieren.


Damit bringt die Heinrich-von-Kleist-Schule auf den Punkt, was sich viele Deutsche schon seit Langem denken: Verschwendet eure Energie und Ressourcen nicht für unnötige Verbote – packt die relevanten Themen an! Es ist unfassbar, dass wir uns mit solch nebensächlichen Fragen aufhalten, während gleichzeitig mehrere Kriege in Europa toben, unser Rentensystem schwächelt und der Klimawandel immer weiter voranschreitet.


Eines dürfen wir nicht vergessen: Während jeder über das Verbot von Begriffen wie „Veggie- Schnitzel“ diskutiert, Schulen ihre Social-Media-Beiträge überarbeiten und Friedrich Merz die Regenbogenflagge als Zirkusfarben diffamiert, sterben täglich Menschen in Kriegsgebieten – und der Klimawandel schreitet weiter voran.


Laut dem Umweltbundesamt soll die globale Erderwärmung im Jahr 2030 bei rund 2,4 Grad liegen – deutlich über dem Ziel, sie auf 2 Grad zu begrenzen. Trotzdem hat der Umwelt- und Klimaschutz in den letzten Jahren deutlich an Aufmerksamkeit in den Medien verloren. Die Behörde teilte mit, dass 54 % der Befragten den Klimaschutz für sehr wichtig halten würden, 2020 waren es noch 65 %. Das Interesse am Klimawandel sinkt – die Gefahren aber nicht.

Wenn wir nicht anfangen zu handeln, die Politik sich nicht besinnt und dem Klimaschutz wieder Priorität einräumt, werden wir schwerwiegende Konsequenzen für unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt spüren. Alles hängt voneinander ab, und damit auch von einer gesunden Erde. Wenn der Klimawandel weiter an medialer Aufmerksamkeit und politischem Interesse verliert, wird es bald zu spät sein… und dann ist unsere Erde wirklich kein „Zirkuszelt“ mehr.

Deshalb appelliere ich an alle Schülerinnen und Schüler: Setzt euch für eure Belange ein, werdet aktiv – ob in eurer Gemeinde, zu Hause oder im Klassenzimmer. Macht den Klimawandel ebenso wie alle anderen Themen, die euch wichtig sind, laut. Teilt Beiträge auf Instagram, klärt euren Freundeskreis und eure Klasse auf, organisiert Infostände, schreibt über eure Forderungen und tragt sie weiter. Denn wir sind diejenigen, die in wenigen Jahrzehnten die unermesslichen Kosten tragen und ihre Heimat, wie sie einmal war, an den Klimawandel verlieren werden. Wir haben nur eine Erde und wenn wir sie zerstören, stehen wir mit leeren Händen da. Macht sie zu unserer Manege.