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Bundesjugendspiele und Schulsport: ein Konzept für alle oder nur für die Begabten?

Henriette Rösch, 10b

Bundesjugendspiele und Sportunterricht. Eine motivierende, notwendige Facette des Schulsystems oder ein bloßstellendes, den Fokus auf die Schwächen der Schüler:innen richtendes, überholtes Konzept?

Ist Schulsport und alles, was mit ihm zusammenhängt noch zeitgemäß?

Wir alle kennen (und viele von uns fürchten) die Bundesjugendspiele. Sie werden als motivierendes Sportfest beworben und es wird über sie als “sportliches Highlight” des Jahres gesprochen. Auch an unserer Schule finden sie statt. (Also jedenfalls wenn sie nicht gerade wegen schlechten Wetters ausfallen.) Und auch bei uns am Graf-Stauffenberg-Gymnasium freuen sich viele darauf, ihre athletischen Leistungen im Wettkampf zu messen. Zum Beispiel im Staffellauf gegen andere Klassen, der einen jährlichen Höhepunkt des Events bildet. Auch die tolle Atmosphäre gehört erwähnt, denn auch sie macht diese Veranstaltung für viele zu einer schönen. Und für alle anderen ist sie im besten Falle nur etwas langweilig. Ein Tag an dem man unnötigerweise Sportarten ausführen soll, die man sowieso nicht kann. Dass ist etwas ärgerlich, vielleicht überflüssig, aber nicht weiter schlimm. Gäbe es nicht auch eine andere Gruppe an Menschen. Eine Gruppe, die gar nicht wenige sind. Und eine Gruppe, für die die Bundesjugendspiele ein wahrer Alptraum sind. Wer einen Körper hat, der nicht für die Leichtathletik geboren wurde, für den bedeutet dieses sportliche Event totale Demütigung. Wäre es nicht ein viel schöneres Erlebnis für alle, wenn die die da wären, das freiwillig täten?  

Man könnte jetzt diesem Gedankengang folgen und noch einen Schritt weiter gehen. Dann käme man ziemlich schnell darauf, dass das angesprochene Problem nicht nur in den Bundesjugendspielen liegt. Die sind schließlich nicht das einzige “motivierende, zu neuen Sportarten anregende” Event des Schulsystems. Denn den Sportunterricht, den gibt es auch noch.

Treten wir mal einen Schritt zurück und betrachten das Konzept “Schulsport” von etwas weiter weg. Eine Gruppe an Heranwachsenden (das Grundschulalter mal ausgespart) betätigen sich eineinhalb Stunden gemeinsam sportlich. Also eigentlich eine Stunde, zieht man das Umziehen ab, aber das ist ein Thema für sich.

Jetzt sitzen sie also beieinander und sollen gemeinsam Sport machen. Alle zusammen. Das große Mädchen, dass tanzt seit sie denken kann, der kleine, dickliche Junge, der zwar begabt in Französisch, aber überhaupt kein bisschen im Dauerlauf ist, das Mädchen, das seit fünf Jahren im Verein Fußball spielt und der Junge, der regelmäßig wegen Basketball-Turnieren in der Schule fehlt. Na, klingt das fair?

“Aber, aber”, könnte man sagen “in anderen Fächern haben die Kinder doch auch unterschiedliche Begabungen!”, könnte man sagen. Begabungen, mit Sicherheit, manchen fällt Mathe leichter, anderen Deutsch, so ist das im Leben, da gebe ich Recht. Aber in der Regel starten in allen anderen Fächern alle Schüler:innen mit den gleichen Fähigkeiten, nämlich gar keinen. Und dann haben sie, zumindest in der Theorie, die gleichen Chancen gut oder sehr gut zu werden. In Sport aber, da gibt es die einen, die seit mehreren Jahren Handball im Verein spielen und die anderen, die nicht mal das Tor träfen, wäre es leer und zehn Meter entfernt.

Das alleine wäre zwar schon echt unfair und würde auch ausreichen die Benotung sehr kritisch zu hinterfragen. Aber Schulsport findet nicht einzeln statt. Man kann jedem sehr genau und sehr gut beim Versagt zusehen. Und Kinder sind gemein, das ist nichts neues. Ich sage mal so: davon auszugehen, dass jemand, der eben genanntes, leeres Tor nicht getroffen hat, keinen gemeinen Spruch zu hören bekommt, das zu glauben, das wäre… naiv.

Hiermit sind nur einige der Punkte genannt, die am Schulsport zu kritisieren sind. Von beispielsweise dem Umziehen fange ich hier gar nicht an. Stattdessen möchte ich lieber die Chance nutzen nochmals zum Nachdenken anzuregen. Man kann nicht immer etwas verändern, aber manchmal reicht es schon zu hinterfragen. Und dass es beim Schulsport eine Menge zu hinterfragen gibt, das haben wir gerade gesehen.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf die Frage zu beantworten, ob Schulsport und alles, was mit ihm zusammenhängt, ein sinnvolles Konzept ist, sollte hoffentlich nicht schwerfallen.