Ein überbewerteter Jugendroman?

Eine Rezension von Naoko Barbagallo (7a) zu „Weiße Tränen“

Der Jugendroman „Weiße Tränen“ von Kathrin Schrocke erschien im Jahr 2023 im Mixtvision-Verlag und hat viele gute Bewertungen bekommen. Doch sind diese auch berechtigt?

Beginnen wir mit dem Augenscheinlichen: Auf dem roten, matten Cover sind ein dunkler Wald und eine Silhouette eines Paares abgebildet: ein Mädchen im Kopftuch und ein Junge mit Afro-Frisur, die im Laufe der Handlung noch eine wichtige Rolle haben werden. Vor ihnen ragt eine schwarze Faust in die Höhe. Das sieht ansprechend aus und macht Lust auf das Lesen, ebenso wie die Eckdaten zur Handlung: Lenni, der 16-jährige Junge, dessen Eltern ein Bestattungsunternehmen führen, hat das Gefühl unverstanden zu sein. Doch sein Freund Serkan macht ihm nach und nach klar, dass sein Leben in Wirklichkeit ein „Ikea-Bällebad“ ist, also eines ohne schwierige Probleme.

In diesem Roman geht es um Alltagsrassismus. Ein spannendes Thema, welches man sich nicht entgehen lassen sollte. Immer wieder heißt es, Kathrin Schrocke habe ein exzellentes Buch darüber geschrieben, welches alle Leser und Leserinnen in die faszinierende Geschichte von Lenni, der Hauptfigur, welcher an das Kant Gymnasium geht und einen neuen schwarzen Schüler aus Leipzig kennenlernt, hineinversetzt. So wurde es in den meisten Rezensionen, wie zum Beispiel in der Süd-deutschen Zeitung, erklärt. Doch ist das Buch nicht etwas überbewertet?

Ich habe diesen Roman nun als Lektüre im Deutschunterricht der 7. Klasse gelesen und bin davon leider nicht sehr überzeugt. Der Roman ist in Jugendsprache verfasst, was mich ziemlich beeindruckt, da es nicht gewollt klingt. Doch ich finde, dass zu viele Schimpfwörter benutzt werden. Ich würde es also nicht für die Schule empfehlen. Ich finde es aber schön, wie Kathrin Schrocke verschiedene Probleme in der Geschichte verknüpft hat und denke, dass ihr dies gut gelungen ist. Man kann sich in den einzelnen Situationen gut in die Hauptrollen Lenni, Serkan und Benjamin hineinversetzen. Auch von Serkans Schwester Elif konnte ich die Gefühle gut mitverfolgen, doch bleiben mir die Gedanken anderer Leute wie zum Beispiel Alex aus. Ich wünschte, dass es mehr Freiraum für die Meinung der anderen Charaktere im Buch gäbe.

Ich kann verstehen, dass Kathrin Schrocke ein Buch schreiben wollte, welches für alle verständlich ist, doch es gibt meiner Meinung nach keinen großen Spannungsaufbau, da die Handlungen oft vorhersehbar sind und so wenige Überraschungen bietet. Außerdem ist der Wechsel von Zeit, Ort und Handlung zwischen den Kapiteln ziemlich groß und abrupt, weshalb ich länger als sonst brauchte, um zu verstehen in welcher Situation man sich im neuen Kapitel befand.

Meine Schule ist genauso wie das Kant Gymnasium mit dem Titel „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ ausgezeichnet und ich werde in der Zukunft versuchen zu verhindern, dass solche rassistischen Bemerkungen wie im Buch vorkommen, da ich nun weiß, dass der Rassismus trotzdem existiert, obwohl eine Schule „ohne Rassismus“ heißt. Insgesamt finde ich, dass der Jugendroman „Weiße Tränen“ ein gut gemeinter Versuch ist, ein wichtiges Thema aufzugreifen, jedoch blieb es hinter meinen Erwartungen zurück.


Quelle des Beitragsbildes: mixtvision.de